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Vorneweg: keine Geschichte für zartbesaitete Gemüter…

Ich möchte es dem Cortison in die Schuhe schieben, dass der Arzt gerade direkt in meine Schulter gejagt hat. Es benebelt- nicht nur das Gelenk. Ich bin wehrlos gegenüber Ideen jeder Art. Jedenfalls meint Mister, der neben mir im Auto sitzt, so zu mir: „komm, wir bringen Sammy ein Mäuschen mit.“
Wie schon im letzten Beitrag geschrieben: Sammy ist alt. Er hat sein Leben lang in der Wohnung gelebt und ist noch nie lebender Beute begegnet. Schon öfter haben wir unsere Späße darüber gemacht, ob man auch altersschwache Mäuse in der Zoohandlung bekommen könnte. Vielleicht eine ganz fette, die kann nicht so schnell rennen. Sammy, der zahnlos an dem Mäuseschwanz wie an einer Spaghetti nuckelt. Todgelutschte, vom Sabber verschrumpelte Mäuse. Wir hatten viel Spaß bei der Vorstellung, beliessen es aber dabei.
Plötzlich saß ich auf dem Beifahrersitz und hielt einen kleinen Pappkarton in der Hand. Obenauf ein paar kleine Luftlöcher. Mister hat beim Zoogeschäft angehalten und eine Futtermaus gekauft. Eine kleine, rosa Nase presst sich abwechselnd durch die Löcher, weiße Schnurrhaare zittern aufgeregt um das kleine Schnäuzchen. Ich schmelze bei dem Anblick dieser Niedlichkeit. „Das können wir nicht machen!“ schiesst es aus mir heraus. „Die-ist-soo!!-Süß!!“ bestärke ich nochmal und bin mir sicher, dass ich sie nicht verfüttern werde, und wenn es noch so sehr eine Futtermaus ist. Wir haben keine Schlangen. Basta.
Zuhause setze ich die Maus erst einmal in einen großen Eimer. Sie ist zahm und beschnüffelt neugierig meine Hand. Die Katzen interessiert es nicht. Kein bisschen. Sammy stellt sich mit dem Vorderteil in den Eimer, die Maus klettert an seinem Bein hoch und läßt sich dann von seiner Pfote zur Seite schieben. Er schüttelt sie ab und guckt mich mit einem „was für’n Blödsinn habt ihr euch da jetzt wieder ausgedacht“-Blick an.
Sohn 2.0 kommt zu früh von der Schule heim, wirft einen Blick auf den Balkon und fragt: „wie heißt sie denn?“. Man gibt Essen keine Namen. Max pflichtet mir bei und meint: „die können wir nicht verfüttern!“.
Max, der unsere Katzen heiß und innig liebt, will dann doch noch wenigstens ein bisschen Mausgeruch unter die Katzen bringen. Nachdem der völlig furchtlose Nager eine Tour durch des Sohnes Pullibeutel und Kapuze gemacht hat und entweder „Günther“ oder „Horst“ heißen soll, hält er die Maus Charly vor die Nase. Charly hat schon mal einen Spatz gefangen, der sich auf unseren Balkon verirrt hat. Charly muss es wissen. Leider hat sie es entweder vergessen oder die Maus flattert nicht richtig, jedenfalls interessiert sie es nicht die Bohne. Nö. Kommt nicht aus der Leckerliverpackung, ist keines.
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Pieps leckt an der Maus. Vorsichtig. Als die Maus sauber ist, dreht Pieps sich um und schläft weiter.
Fratzi schnüffelt und hält die zur Höhle geformte Hand von Max mit ihrer Pfote zu. Sie will die Maus einsperren. Aber die Hand wird schnell langweilig und Fratzi hat besseres zu tun, als Max davon abzuhalten, ihr eine Faust ins Gesicht zu halten.
Da ist von keiner Katze auch nur die Spur von Raubtierinstinkt zu sehen- und von der Maus nicht das geringste bisschen Fluchtverhalten. Nicht einmal, als Max die Maus versuchsweise auf Charlys Rücken setzt. Sie macht auf der Katze ein Häufchen und findet es klasse, eine Runde um den Balkon zu reiten. Vor meinem inneren Auge hat sie dabei ein Lasso in der Hand und trägt winzige Stiefelchen.
In mir setzt sich der Verdacht fest, dass die für Schlangen gedachten Mäuse unter Drogen gesetzt werden, damit sie sich leichter verfüttern lassen. Oder es ist eine Suizidmaus. Jedenfalls hat sie eine Cowboyausbildung.
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Mister und ich blicken uns an, und wir wissen beide ohne ein Wort zu verlieren, dass wir verloren haben. Die Maus wird an Altersschwäche sterben. Selbst schuld. Also, wir; nicht die Maus. Sie heisst inzwischen „Eddy“.
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Da Mäuse nicht gerne alleine leben und sie nicht in meinem Putzeimer bleiben soll, fahren wir zurück ins Zoogeschäft. Mister erzählt der Verkäuferin von der Futtermaus, die gewonnen hat und die Belegschaft verfällt in schallendes Lachen. Unverholen grinsend verkauft sie uns einen Käfig, mikroskopisch kleine Näpfchen, Futter und Streu.
Nun haben wir also zwei neue Haustiere und die Katzen Fernsehen. Denn mehr als gucken können sie nicht, keine Sorge.
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Ps: ich habe mir sehr über die lieben und fürsorglichen eMails und Kommentare gefreut. Ja, es gibt wieder- oder immer noch- Beiträge mit Mister. Wird ja auch Zeit.

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