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Die Schule hat wieder angefangen- und jetzt ist sie wieder da; die
Zeit der Elternabende. Juhu. Ich bin begeistert.Neben der Tatsache,
dass der Nettoinhalt dieser Abende locker als Rundschreiben auf ein
DINA4 Blatt passen würde, ist man gezwungen, sich mit diversen
Elterntypen auseinander zu setzen. Oder ihnen, was manchmal schlimmer
ist, zuzuhören. Meist sitze ich da, höre zu, amüsiere mich
innerlich und bedauere die vertane Zeit. Was da so an Gedanken in
meinem Kopf rumschwirrt, möchte ich euch nicht vorenthalten. So
oder zumindest so ähnlich ist eine zufällige Gruppe Eltern immer
aufgestellt.
Die Top five der Elterntypen auf einem Elternabend:
Platz 1: die Supermom. Ich habe erst kürzlich über sie geschrieben,
möchte meine Ausführungen aber gerne noch erweitern. Es ist die
Mutter, die bereits bei der Rückbildungsgymnastik ihren Ableger zu
Babyschwimmen, Pekip und Sprachfrühförderungen angemeldet hat. Die,
die in der Krabbelgruppe damit angibt, dass ihr Kind schon mit
6Monaten Laufen,3-Wort-Sätze bilden kann oder Fahrrad fährt.
Ohne Stützräder.Jetzt in der weiterführenden Schule hat sich ihr Kind
bereits deutlich von zuviel Bemutterung abgenabelt. Damit sie dennoch
irgendwas bekümmern kann, ist sie Schulelternbeirat, Vorsitzende des
Fördervereins, organisiert den Schulflohmarkt, bäckt 15
allerfeinste Rührkuchen(furztrocken) für den Weihnachtsbasar und
spielt Tennis um sich fit zu halten. Ein dankbares Opfer bei der
Elternbeiratswahl, denn sie wird sich melden. Garantiert. Und
erwartet Applaus dafür.Dankbares Lächeln ist nicht genug. Denn sie
zerreisst sich nicht nur für ihr eigenes, sondern für alle Kinder
und erwartet dafür ununterbrochenes Lob.
Platz 2:die Überforderte. Sie entstammt in Orginalbauteilen vom
RTL-Harz4-TV. Gerne im Jogginganzug, oft mit ein wenig zu fettigen
Haaren. Sie starrt in stiller Ehrfurcht die Tafel an und traut sich
den ganzen Abend nicht, auch nur einen einzigen Ton von sich zu
geben. Zu überwältigend sind die Eindrücke. Manchmal wird sie von
ihrem Mann begleitet, mit dem sie heimlich tuschelnd die Bedeutungen
von den besprochenen Themen klärt.Nein, Mindmapping hat nichts mit
Mobbing zu tun. Bedauernswerte Spezies, denn eigentlich kann sie
ganz nett sein.Lustig auf jeden Fall, auch wenn sie nicht weiss,
warum.
Platz 3:die Aufgedonnerte. Was sie an Geld für Klamotten zuviel hat,
hat sie an Geschmack zu wenig. Diejenige, die in güldenen
Riemchensandalen zum Fahrradausflug kommt. Behängt mit allem, was die
Schmuckschatulle so hergibt, erinnert sie an ein Rentier mit
Glöckchen um den Hals. Oft riecht man ihre Parfumwolke, bevor man
sie sieht. Natürlich Blond, natürlich in Highheels und ganz oft mit
osteuropäischem Akzent. Sie wird selbstverständlich von ihrem Mann
begleitet und ich denke, es ist schon eine Straftat zu wissen, womit
er sein Geld verdient. Das Kind dieser Eltern ist der Klassenrowdy.
Niemand legt sich mit ihr an. Wer weiss, ob man nicht mit einem Eimer
Beton an den Füßen endet, weil man lieber Kartoffelsalat als Würstchen
zur Klassenfeier mitbringen möchte.
Platz 4: die Abgebrühte. Sie hat bereits ein erwachsenes Kind und
zieht jetzt aus lauter Spaß an der Freunde noch einen Nachzügler groß.
Sie hat alles schon mal durchgemacht und weiss es einfach besser.
Grundsätzlich. Ihre Sätze fangen immer mit „Aber“ an. Sie ist gegen
alles und hat immer ein tolles Gegenargument parat. Wegen ihr hängt
man Stunden an einem Thema wie der neuen Schreibschrift fest.
Platz5:
der Superpapa. Er ist nicht ganz so penetrant wie die Supermom,
deswegen reicht es für ihn nur auf den letzten Platz. Oft
Lokalpolitiker in der untersten Kategorie. Er kennt jeden und alles
und wäre gerne Rechtsanwalt geworden, wenn er es nicht schon ist.
Natürlich vertritt er auch die Rechte seines Kindes beim Elternabend,
und das laut und vehement. Er ist fest von seinen rhetorischen
Fähigkeiten überzeugt und verpackt überflüssige Informationen gerne
in (seiner Meinung nach) unterschwellig formulierten Satzanfängen
wie „also in Schweden haben wir dieses Jahr auch Gummistiefel
gebraucht…“

Nächste Woche ist noch ein Elternabend. Ich freu mich schon…

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