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im letzten Post stellte ich die Aussage „Facebook tötet Blogs“ einfach so in den Raum und so manche wunderte sich. Wie meint die das?

Ein Beispiel. Während meine Jungs Radball spielen, trainieren auf der anderen Seite der zweigeteilten Sporthalle Twirling-Mädchen. Von den eher grobmotorisch veranlagten Radballern (im Kopf bitte die Bodenständigkeit von Rugbyspielern behalten) liebevoll „Stöckchenschmeisser“ genannt.
Beim Abholen entdeckte ich auf einem der abgestellten Autos einen Aufkleber „Twirling-Mom“. Und da war das Gefühl wieder: von ultra-pflichtbewußten, allzeit perfekten Müttern. Mütter, die zum Training der Kinder Cupcakes backen, ein Gläschen Prosecco auf der Tribüne schlürfen während mit verzücktem Augenaufschlag dem Kind beim Twirlen zugeguckt wird, die süße Ballettkostüme selbstverständlich selbst nähen und immer adrett aussehen. Badhairdays? Neverever. Nichtmal ein Katzenhaar am Pulli. Das kommt in dem Leben der perfekten Muttis nicht vor. Mit scheinbarer Leichtigkeit meistern sie natürlich einen Vollzeitjob, Das Häuschen im Neubaugebiet, die Kinder jeden Tag zu irgendeinem Sport begleiten, Klavierunterricht oder der japanischen Sprachschule zu fahren und sich selbst in Maniküren, Zumba und Frisörterminen verwöhnen zu lassen. Die haben Bügelfalten in der Unterhose.
Wenn sich das eigene Kind ein Knie aufschlägt, haben diese Mütter Selbst-Ver-Ständlich Pflaster und Eisbeutel in der D&G Handtasche. Ich finde solche Mütter in manchen Momenten praktisch, wenn sich mein eigener Tascheninhalt auf Schlüssel, Handy und ein nur-ein-bisschen-gebrauchtes-Taschentuch beschränkt.
Während mein Kind verschwitzt, verstrubbelt und mit einem heruntergeklappten Schienbeinschoner ins Auto springt, tragen die Mädchen nebenan niedliche Zöpfchen.
Was daran nagt ist, dass solche Frauen einem selbst immer das Gefühl des Versagens vermitteln. Das Pflaster wird nicht mit einem besorgt-bemühtem Blick übereicht, sondern mit einem, der „Wie-kannst-du-nur-so-chaotisch-sein“ ausdrückt. Schuldbewußt nimmt man plötzlich alle Katzenhaare auf dem eigenen Sweater wahr. Es gibt Tage, an denen reicht es mir, zwei ähnliche Socken frisch von der Wäscheleine abgepfückt anzuhaben. Wenn eh alles schon furchtbar anfing, dann ist einem das auch egal. die Füße stecken in Schuhen, das sieht kein Mensch. Badhairdays? Hauptsache, man hat überhaupt Haare auf dem Kopf. An solchen Tagen ist es nahezu unvermeidbar, auf Supermuttis zu treffen, die einem die eigene Unzulänglichkeit auch noch vor Augen halten.

Ich bin mir sicher, auch im Leben dieser Supermoms läuft einiges schief. Ganz sicher. Nur würden sie sich niemals die Blöße geben, es sich anmerken zu lassen. Das Bild was nach außen dringt, verunsichert und verschüchtert angesichts dieser übernatürlichen Perfektheit. Das Leben aller normalen Menschen wäre um so vieles leichter, hätten diese Mütter auch mal einen schlechten Tag.

Und was hat das jetzt mit Facebook zu tun? Ich war gedanklich bei „machst du Foto, tust du facebook“, als ich den Aufkleber sah. Und hätte dann diesen Post nie geschrieben.
2014-09-16_09-52-44

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