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Immer wieder bekomme ich eine Mail zu den fotorealistischen Charts, die ungefähr so lautet: „wie groß wird eigentlich die Wolfsdecke?“ Oder „Ich will eine Sofadecke stricken-kann ich den Cougar dafür nehmen?“ Natürlich beantworte ich solche Fragen zu meinen Charts gerne und ausführlich. Nun aber mal in epischer Breite für alle. *hüstel* dann brauch ich nämlich nur noch den Link zu diesem Beitrag schicken *gg*. Diese Fragen haben nämlich mehrere Ebenen.

Aaaaaalso…
Wie groß wird ein Gestrick aus einem Chart?
Lapidare Antwort: das hängt völlig von der Maschenprobe ab. Das ist jetzt aber keine zufriedenstellende Antwort (wenigstens für mich nicht); abgesehen davon hat man auch nicht unbedingt die gewünschte Wolle in der Menge vorrätig. Bevor man also shoppen geht, will man ja wenigstens einen Anhaltspunkt haben.
*weit aushol* Doubleface hat einen Haken: die Maschen sind nicht, wie bei normalem glatt-rechts-Gestrick, immer gleich breit bzw hoch. Bei manchen Menschen ist eine rechte Masche im Doubleface ( wenn man einen Rahmen um die Masche ziehen würde) ein Querrechteck, manche stricken ein Quadrat und wiederum andere ein Hochrechteck. Das verzerrt in gewissem Masse die Proportionen der Decke. Meine Charts sind auf ein Quadrat ausgerichtet; das halte ich für den besten Kompromiss. Um sich aber zwischen verschiedenen Wollen zu entscheiden, reicht Pi mal Schnauze die angegebene Maschenprobe auf dem Etikett.
Nehmen wir als Beispiel den Puma: 250M x370R. Sockenwolle wird mit 30Mx42R auf 10x10cm (Schachenmayr Regia) angegeben.

Einen beachtenswerten Haken hat diese ganze Angaben-Rechnerei: Die Charts werden üblicherweise quer gestrickt- die kürzere Seite ( im Cougarfall die Bildhöhe) ist im Gestrick-fall die Breite.

Mit ‚Breite‘ ist also Reihenbreite- aber Motivhöhe gemeint.
Cougar
Die Breite ( Motivhöhe von Maul zu Ohr) wird im Dreisatz berechnet: wenn 30M 10cm ergeben, ergeben 250M (250:30×10) 83,33cm. Die Höhe genauso: 370:42×10=88,10cm. Nicht vergessen- das ist tatsächlich sehr ungefähr! Aber man bekommt einen Eindruck, dass der Cougar etwa 80x90cm groß werden würde, nähme man Sockenwolle.
Geht man von dem anderen Fall aus, dass man eine gewünschte Größe hat und entsprechende Wolle sucht, sieht die Berechnung anders aus. Als Beispiel; der Cougar soll 150cm breit werden (die Höhe ist dann mehr als 150cm, soviel ist schon mal sicher) dann rechnet man 250:150×10 und erhält 16,6M auf 10cm heraus. Mit diesem „Mass“ kann man sich eine entsprechende Wolle raussuchen. Die Höhe ist hier vernachlässigbar, die variiert sowieso ( s.o.). Der Handwerker sagt hier: die Höhe ‚läuft mit‘; soll heissen, die wird dann eben entsprechend anders und nicht weiter erwähnt. Auf die Maschenhöhe hat man eh kaum Einfluss und kann sie daher unter den Tisch fallen lassen. Natürlich kann man auch mit der Höhe rechnen, dann läuft eben die Breite mit. Als Hesse sagt man da: ‚gehubbt wie danebengedappt‘, was soviel heisst wie ‚ist völlig egal‘.
Hat man sich gewünschte Wolle rausgesucht, macht man eine Maschenprobe in Doubleface und berechnet das gleiche nochmal, nur diesmal mit den echten Massen.
Und wieviel Wolle brauche ich?
Da hilft nicht viel ausser: Geh zur Post. Oder zum Metzger-obwohl ich in diesem Fall tatsächlich eher der Post vertrauen würde. HÄ?? Ich höre euch rufen, aber ich meine es ernst 🙂
Die Post hat nämlich eine Briefwaage auf das Zehntel genau, und das brauchen wir jetzt. wenn man ganz lieb fragt, darf man seine Maschenprobe abwiegen. Irritierte oder belustigte Blicke muss man zwar in Kauf nehmen, aber damit kann ich leben. 🙂 Idealerweise ist die Maschenprobe 25Mx37R groß ( 250×370; je :10) und man hat es leicht. Gewicht der Maschenprobe x100 ( Faktor 10 ins Quadrat) :2 und man weiss, wieviel Gramm pro Farbe man benötigen wird. Das schöne an Doubleface ist nämlich, dass man ziemlich exakt gleich viel von beiden Farben benötigt und es daher wesentlich leichter kalkulierbar ist als beispielsweise Fair Isle.

Bei manchen Charts habe ich Masse bzw Maschenproben angegeben- aber das ist tatsächlich nur als Anhaltspunkt gedacht.Selbstverständlich kann man auch einen Chart mit Sockenwollen-Angabe mit dicken Garnen stricken. Dann bleibt einem aber tatsächlich nichts anderes übrig, als neu zu rechnen.
So, alle Fragen geklärt? 😉

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