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Ein normaler Sonntag Nachmittag..
Ihr kennt das sicher: nach einer arbeitsreichen Woche freut man sich darauf, ein wenig zu entspannen und zu relaxen, es liegen keinerlei Termine oder Verpflichtungen an… alles wunderbar. Es könnte so schön sein, wäre man Single. Man würde sich laut Musik auf die Ohren stöpseln, das Rädchen anwerfen und glücklich einen Faden spinnen. Wahlweise auch ein Stück Socke stricken. Ich bin da nicht zimperlich. Alles gut.
Kaum sitze ich am Rechner ( daneben steht mein Spinnrad), kommt Sammy an. Über die Lehne meines Schreibtischstuhls auf meine Schulter, verliert das Gleichgewicht, landet auf Kaffee und Tastatur und ich kann ihn geradeso noch auffangen. ‚flup‘ macht es und der Faden ist im Rad. Sanft setze ich Sammy auf den Boden. Jetzt nicht, Dicker.
Ein Schluck Kaffee mit Katzenhaargeschmack, die Musik neu gestartet, den Faden von der Spule gepopelt. weiter gehts. Ich habe die Kopfhörer an meinen Ohren noch nicht losgelassen, als meine Lehne erneut wackelt. Klar. Sam. So schnell gibt er nicht auf. Gut, er ist alt und wunderlich und ich lasse ihm seinen Frieden, setze mich im Schneidersitz hin, so dass er auf meinem Schoß Platz findet. Ich könnte ja auch eine Runde am Rechner zocken, denn Spinnen ist ohne Beine eher schwer. Aber ich habe das (kurze) Level noch nicht einmal angefangen, macht es hinter mir „Mamaaaaa! Paul hat *** ( hier entweder ‚mein Comicheft kaputtgemacht‘ oder ‚mich getreten‘ einfügen; das kommt irgendwann aufs selbe raus). Ich seufze, drücke Pause und schlichte. Sammy wackelt auf meinem Schoß glücklich hin und her, während ich schimpfe. Er hat ein Körbchen auf meinem Schreibtisch, das nebenbei bemerkt.Er sabbert meine Elbogenbeuge voll. So ohne Zähne ist das auch schwer, die Kontrolle über seine Spucke zu behalten.
Kopfhörer wieder auf die Ohren, das Level ist jetzt für die Katz. Ich beginne das Spiel neu und darf geschlagene anderthalb Minuten glücklich in meiner Welt bleiben. Eine kleine Hand zieht mir eine Seite des Höhrers vorsichtig von den Ohren, was zur Folge hat, dass die andere Seite über meine Augen rutscht: „Mama, darf ich Wii spielen?“ Aus der Frage wird eine mittlere Diskussion über das Pro und Contra von Hausaufgaben, Schule im Allgemeinen und Besonderen und dass Kindsein sowieso doof ist. Die Hörer baumeln mittlerweile um meinen Hals. Mister betritt die Küche, poltert und klappert und räumt geräuschvoll die Spülmaschine aus. Macht ja sonst nie jemand. Das wiederum kann Charly nicht leiden und meckert auf der Fensterbank vor sich hin. Sie könnte den Raum mit den furchtbaren Geräuschen verlassen. Sie tut es nicht. Mister macht das Radio an und beginnt zu kochen. Ich mag die aktuelle Musik nicht so gerne, habe aber trotz Kopfhörer keine Chance. Ich seufze und ergebe mich. Dann höre ich eben keine Musik. Das Radio hinter mir, Charlys Gemeckere, Max‘ Diskussionen ergeben eine nervenzerreissende Geräuschkulisse. So kann man einfach nicht entspannen.
Leise vor mich hingrummelnd setze ich den Kopfhörer wieder auf und drehe meine Musik einen Tick lauter. Auf Anschlag. Mister steht vor mir und gestikuliert wild, hält mir dabei eine Nudel unter die Nase. Interessiert setze ich den Hörer wieder ab und blicke fragend. Spielen oder Spinnen habe ich längst aufgegeben; das führt ja doch zu nix. Während Mister sich über eine krumme Makkaroni beschwert und am liebsten den Herrn Penny JETZT und SOFORT eine böswillige eMail über nicht- EU-gerechte DIN-Nudeln schreiben möchte, sitzt Pieps am Fensterbrett, heult ein Ständchen gegen die Ungerechtigkeit dieser Welt. Sammy in meinem Schoß ist glücklich und schlägt seine zentimeterlangen Dolche in mein Bein. Fratzi rennt im Vollspeed durch die Küche und schmeißt das Altglas, dass Paul schon letzte Woche runterbringen sollte, scheppernd um. Charly findet auch dieses Geräusch doof und keckert lautstark. Mister, Paul und Max stehen hinter mir und machen sich darüber lustig, dass ich über-haupt-nichts höre und man mir sagen könne, was man wollte. Ich sehe es aus den Augenwinkeln und ignoriere es. Max ruft, dass 27 NIEMALS durch Neun teilbar war. Paul fragt, ob er JETZT was Essen dürfe. ich sehe mich um und stehe irgendwie neben mir. Alle Menschen und die meisten Katzen reden gleichzeitig auf mich ein. ich seufze nur und denke mir: wartet nur. Morgen seid ihr alle in der Schule bzw auf der Arbeit. Dann habe ICH Wochenende. Wenigstens bis Mittags.

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