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Neues Jahr- Neues Projekt 🙂
Letztes Jahr habe ich mir mit viel Mühen und Lesen und Rückschlägen Spinnen beigebracht- dieses Jahr habe ich eine neue Herausforderung.
Mein großer Sohn spielt Radball, seit zwei Wochen macht Mister das auch. Der Kleine fängt nun auch wieder an und wir haben eine Familienmitgliedschaft bei dem Verein beantragt. Das vierte Familienmitglied ist kostenfrei. Tja, und wenn ich dann schon mal Mitglied bin… kann ja nicht so schwer sein, nicht wahr?
Aber der Reihe nach. Folgende Fakten sprechen gegen meinen Versuch:

a) ich bin völlig unsportlich. Keine Kondition, keine Kraft und ziemlich faul obendrein. Freiwillig sitze ich gerne auf der Tribüne und gucke meinen Jungs zu. Mir ist in all den Jahren nicht einmal der Gedanke gekommen, ich könnte ja auch mal aufs Rad steigen.

b) Radball ist eine reine Männersportart. Gut, das ist zwar Fakt, aber kein Hinderungsgrund. Allerdings geht es bei Profis doch schon ordentlich zur Sache. Bodycheck inclusive. Und ich habe Angst vom Rad zu fallen. Sagen wir so: bei den Spielern des Vereins wird mein Versuch milde belächelt- aber ernst genommen werde ich nicht.

c) zu meinen Talenten gehört sicher nicht der Umgang mit einem Ball. Fangen, werfen, kicken- alles nicht meins.

d) Radball ist eine Mischung aus Kunstradfahren und Fußball und benötigt jahrelanges intensives Training, bevor man wirklich spielen kann. Die meisten die ich kenne, spielen das von Klein auf. Als Erwachsener damit anzufangen, ist nicht die beste Lösung.

Aber selbstverständlich gibt es auch eine Pro-Liste:

zu a) ich brauche unbedingt mehr Bewegung. Ich merke, dass mein Körper doch nachlässt. Jahrelanges Sitzen am Schreibtisch hinterlässt Spuren und da gilt es, gegenzusteuern. Dringend. Da muss man dem Schweinehund einfach mal in den A*** treten.

zu b) Mich hat es noch nie an etwas gehindert wenn man mir sagte, dass ich das als Frau nicht können könnte. Ganz im Gegenteil: solange ich nicht ernst genommen werde, habe ich sozusagen Narrenfreiheit. Ist vielleicht nicht schlecht. Und vom Platz hauen kann ich die Jungs dann ja immer noch.

zu c) Ja, nun, kann man lernen, oder? So als Mutter von Söhnen sollte man doch vielleicht wenigstens ein bisschen….

zu d) naja, vielleicht werde ich keine Elfe auf dem Rad, aber das ist auch nicht meine Intension. ‚Elegant‘ ist nicht das Wort, was mich treffend beschreiben würde. 🙂 Dazu kommt aber, dass es verdammt cool aussieht, wenn man es beherrscht. Ich will das auch können, schon alleine, um damit angeben zu können 😉

So, das ist also meine Haben- Liste. Mein Ziel ist es, innerhalb eines Jahres so gut spielen zu können, dass ich gemeinsam mit Mister gegen meine Söhne antreten kann.
Ein kleiner Eindruck, um was es dabei eigentlich geht:

(der Junge im schwarzen Trikot am Anfang ist mein Sohn)

Tag 1: ohhh scheiße.
Mister hat inzwischen 2 Trainings Vorsprung. Er kann einigermaßen auf dem Rad stehen bleiben und seine Schüsse heben vom Boden ab. Mit Wumms haut der die Dinger ins Tor. Ich bewundere ihn und steige auf mein Rad. Wenn der das so schnell kann, sollte es für mich kein Problem sein.
Das mir zugeteilte Rad wiegt locker mal gefühlte 50 kg und ist ein Koloss. Es gibt nur eine Erwachsenengröße, ob man nun 2 Meter hoch ist oder, wie ich, nur 160cm. Auf dem Sattel sitzend komme ich nicht an den Lenker. Aber man soll ja gar nicht sitzen. Es wird stehend gefahren und da braucht man keinen Sattel. Basta.
Das Rad ist direkt übersetzt. Kein Freilauf, keine Bremse, nix. Eine Pedalumdrehung ist eine Radumdrehung. Hört man auf zu treten, fällt man auf die Nase. Dafür kann man aber sogar rückwärts fahren (sofern man den dringenden Wunsch verspüren sollte). Meine erste Übung für heute: auf dem Rad stehend stehen bleiben. Linkes Pedal nach vorne, den Lenker nach links einschlagen und schon bleibt man stehen, so der Plan. Es bleibt bei dem Plan, denn bis ich herausgefunden habe, wann der linke Fuß vorne ist, bin ich gegen die Wand gefahren. Es ist nicht so einfach, wenn Füße bisher alles automatisch getan haben. Am Ende der Stunde schlackert mein Lenker wüst nach rechts und links und ich bleibe fast eine ganze Sekunde stehen. Das sieht nicht so aus, wie es aussehen sollte, erfüllt aber seinen Zweck. Dabei verkrampft sich alles in mir und schließlich zittern mir die Beine so dermaßen, dass nichts mehr geht.
Übung Nummer zwei: ich bekomme einen Ball zugekullert und soll ihn mit dem Vorderrad zurückkicken. Dank der guten Kullertechnik des Trainers trifft der Ball sogar mein Vorderrad, aber ich mache einen dicken Denkfehler: ich bewege mein Vorderrad zum Ball hin (weil, ich muss ja hin, damit der Ball weggeht), anstatt vom Ball weg. Die Aufgabe ist, den Ball mit dem hinteren Teil des Vorderrades weg zu schnipsen. Das ist einfach unlogisch. Und weil mir meine Füße auch noch ins Rad kommen oder die Hacke in der Kette, eiere ich sehr unvorteilhaft durch die Gegend. Ich muss einfach auf zuviel gleichzeitig achten und meine gefühlte Logik überlisten. Multitasking? Heute nicht. Linkes Pedal im richtigen Augenblick vorne, nach hinten lehnen, den Lenker hochheben, auf die Fußstellung achten, wo ist der Ball, gegen die Schussrichtung den Lenker bewegen- und dann auch noch weitertreten um nicht auf die Nase zu fallen. Mir brummt der Kopf und ich bin froh, dass das Training vorbei ist. Ich bin nassgeschwitzt.
Beim Absteigen vom Rad und der Durchquerung der Sporthalle habe ich das Gefühl, meine eigene Hüfte überholt mich beim Laufen. Meine Hände und Arme zittern so sehr, dass an Stricken oder Spinnen heute wohl nicht mehr zu denken ist. Ich treffe ja kaum die Tasten..
Fazit für heute: verdammt schwer, verdammt anstrengend und ich bin verdammt neidisch auf Mister, der das scheinbar mühelos lernt. Heute denke ich, ich mache mich mit meinem Plan zum Idioten.

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