Ihr kennt das sicherlich, das Großgeräte bevorzugt alle gleichzeitig- oder maximal innerhalb eines halben Jahres- über die Wupper gehen, ja? Bei uns war das vorletztes Jahr so. Erst Waschmaschine, dann rauchte der Staubsauger ab, der Herd explodierte ( ja, echt, ich habe immer noch Herzklopfen, wenn ich daran denke!) und schließlich hatte ich im Gefrierfach trotz monotonen Brummen des Kühlschrankmotors nur noch Suppe. Ein Neuer musste her, und weil die Familienkasse nicht alles stemmen konnte, waren wir im Fabrikverkauf. Da gibt es Ausstellungsstücke, welche mit Transportschäden und andere unverkäufliche Teile. Wir entschieden uns für eine mannshohe Kühl-Gefrierkombi mit einer kleinen Beule auf der Front. Macht nichts, dachte ich mir, so eine Beule stört nicht weiter. Unser Kühlschrank ist sowieso mit Zetteln aller Art vollgepflastert. Sieht kein Mensch.
Wir schleppten das Ding unter Ächzen und Stöhnen in den dritten Stock und stellten es hin. (Fabrikverkauf hat keine Anlieferung, sonst wäre ich mit Sicherheit nicht so blöd…) Mister sagte, die Kühlflüssigkeit müsse erst ruhen, bevor man da Strom drantun darf. Also stand er da und ich wischte ihn aus polierte und wienerte, bis er blitzte. Dann tat ich Strom dran. Der Kompressor brummte, es machte kalt- alles wunderbar. Es waren 30 Grad im Schatten und die Familie bedurfte schließlich gekühlter Sachen aller Art. Abends ging ich müde und zufrieden ins Bett. Da machte es „uiuiuiii?“ aus der Küche. Einfach so, ohne Grund. Ich schickte Mister, aber der fand nichts und krabbelte zurück in seine Koje. „ui? Uiii? boog?“ Da war es wieder. Ich stupfte Mister an, aber im Halbsschlaf fühlen sich Helden außerstande, ihre Frauen zu retten. Also ging ich gucken, fand aber auch nichts heraus. „Boooooog?“ machte es neben mir, als ich das Licht in der Küche wieder ausschalten wollte. Direkt neben meiner Hand! Ich erschreckte mich zu Tode. Das Geräusch kam hinter dem Kühlschrank hervor. Ich erzählte meine Entdeckung Mister, aber der brummte nur und murmelte was von ‚Kühlmittel‘ und ‚Luft drin‘ und ‚gibt sich wieder‘. „ui?“
Das ist jetzt gut ein Jahr her. Mittlerweile redet unser Kühlschrank mit. Es ist keine aufdringliche Plapperei oder so, aber wenn jemand eine dramatische Pause in seiner Rede lässt, kann man sich sicher sein, dass unser Kühlschrank diese mit einem kleinen „uiuiui!“ füllt. Die Assoziation mit Samson aus der Sesamstrasse ist nicht so weit hergeholt.
In unserer Familie gilt seit dem das geflügelte Wort „Das Huhn muß mitreden“, weil sich dieses Geräusch tatsächlich wie das Glucksen eines Hühnchens anhört. Wir lachen darüber und lassen das Huhn, wo es ist. Man hört es kaum noch.
Wenn wir aber Besuch bekommen, ist das anders. Unser Huhn freut sich sehr, wenn es neue Leute kennenlernen darf und gluckst und gackert fröhlich vor sich hin. Ununterbrochen. Anfangs ist das noch lustig, später wird es nervig. Den ganzen Abend mit „booog?“ und „Uuiii?“ belabert zu werden ist nervtötend. Faszinierend an der Sache ist aber: wenn es bei uns Grillhühnchen gibt, ist das Kühlschrankhuhn still. Tagelang. Erklärt das mal einem Techniker.

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