Seit ungefähr Mitte Juli liegen mir meine Kinder in den Ohren „ wann backen wir eigentlich endlich wieder Plätzchen?“ Ich mag Plätzchen. So fluffige, im Mund zerfallende Gebäckteilchen aller Art. Einfach lecker.
Ich weiß aber auch, dass meine Kinder zwar gerne Plätzchen backen weil man da so viel naschen kann, aber schnell aufgeben wenn es mit Arbeit und Geduld zu tun haben sollte. Zudem bin ich nicht unbedingt eine Künstlerin am Herd 😉 Meine Lösung hierzu: Fertigteig. Das ist geschummelt, ich weiß. Zu Plätzchen gehört eben Mehlstaub, Eierschalen im Backwerk und klebrige Finger. Aber so Fertigteig hat einen entscheidenen Vorteil: er funktioniert und erleichtert jede Menge Arbeit.
Mister, eigentlich kein großer Freund irgendwelchem Süßzeugs, wünscht sich Bethmännchen. Das ist eine Frankfurter Spezialität. Es sind ungefähr walnussgroße Kugeln aus Marzipanteig mit 3 Mandeln au den Seiten. Okay, das klingt nicht schwer. Kein Hantieren mit Förmchen, kein Ankleben vom Teig am Tisch…. kann man machen.
Während die Kinder am liebsten bunte Butterplätzchen haben, sind meine Favoriten Vanillekipferl. So steht also meine Auswahl diesjähriger Gebäcke fest. Außer den Bethmännchen gibt es ja auch alles zum Fertigbacken im Handel. Glück gehabt.

Wir wollen mit den Butterplätzchen anfangen. Das ist klar, denn die Kinder haben keine Geduld, wollen sofort Teig probieren,Plätzchen ausstechen und naschen.
Ich bestäube den Esstisch mit Mehl und lege den Teig darauf. Wo war noch mal gleich das Nudelholz? Natürlich ist es nicht da, wo es zu sein hat ( das wäre in unserem Fall eine echte Überraschung). Wir finden es in Max’ Spielzeugkiste. Als wir zurück in die Küche kommen, sind in der Mehlfläche kleine Fußabdrücke. Pfoten, um genauer zu sein. Sammy sitzt am Rand des Tisches ( Verbotenerweise!), putzt sich hingebungsvoll eine Vorderpfote, wischt mit dem Schwanz durch das Mehl und schaut unbeeindruckt und gewissenlos in die Runde. Er? Nö. Das muß eine andere, völlig unerzogene Katze gewesen sein.
Also von vorne: Tisch wischen, Mehl raufstäuben, Teig ausrollen. Plätzchenformen sind oben in der Kiste im Schrank, das weiß ich.
Sind sie natürlich nicht, denn mit Plätzchenformen kann man auch wunderbar Knete ausstechen. Wir finden sie diesmal bei Paul im Zimmer.
Diesmal entdecken wir bei unsere Rückkehr Fratzi, nicht mehr ganz so schwarz wie sonst, auf der Teigfläche herumturnen. Auch ihr ist das Betreten des Tisches strengstens untersagt. Scheinbar hat sich ein Mäuschen ( oder den Spuren nach zu urteilen, eine Riesenratte) unter den Teig gemogelt und muß dringend ermordet werden. Fratzi ist sich ihrer Aufgabe als familienbeschützende Kammerjägerin durchaus bewußt.
Diesmal ist nichts mehr zu retten- Plätzchen mit Katzenhaaren mag niemand essen- und der Teig wandert in den Müll. Es gibt halt dieses Jahr keine Butterplätzchen. Die Kinder ziehen maulend von dannen, denn auf andere Plätzchen haben sie dann auch keine Lust.
Dann halt Bethmännchen. Marzipan und Eier und allerlei sonstiges Zeugs wandern in die große Schüssel. Die Kinder sind weg, ich habe freie Bahn und dementsprechend schnell geht das. Im Rezept steht, dass man den Teig 1 Stunde kühlen soll- aber ich bitte euch, wer hockt schon eine ganze Stunde rum? Ich nicht, und Kühlen wird völlig überbewertet. Die Bethmännchen kommen doch sowieso in den Ofen und werden heiß. Firlefanz.
Der Teig ist eine breiige, klebrige Masse und es ist eine Herausforderung, daraus Kügelchen zu formen. Warum muß eigentlich immer in solchen Situationen das Telefon klingeln? Es fühlt sich nur niemand außer mir dafür verantwortlich, dass das Klingeln auch wieder aufhört. Ich habe Marzipanteig in den Händen und am Telefonhörer.   Ich könnte ja auch einfach ein paar Mandelspalten auf meine Hand bappen und in den Ofen halten…? Nix da, Mister interveniert. Es gilt, frankfurter Traditionen zu wahren und da versteht er keinen Spaß. Andererseits sieht er auch nicht die Notwendigkeit, mir unter die Arme zu greifen. Ich wollte Plätzchen backen- er ist nur zum Vernichten derselben anwesend.
Allerdings leistet er mir Gesellschaft und unterhält mich mit kleinen Youtubeclips, die er so findet.
Schließlich sind 30 mehr oder weniger kugelförmige Dinger auf dem Backblech; ich wasche mir die Hände und hole tief Luft: noch die Vanillekipferl, dann habe ich es doch geschafft.
Also wieder: mit einem großen Malerspachtel die Teigreste vom Tisch kratzen, wischen, mit Mehl bestäuben. Pieps spielt mit Fratzi fangen, will nur schnell noch über den Tisch auf die Fensterbank springen ( Die ist anscheinend das „Hola“ beim Spiel) , rutscht auf dem Mehl aus und landet mit ihrer vollen Breitseite auf dem Tisch. Pieps ist entrüstet und tut das auch kund. Heulend, singend und anklagend verkündet sie die Ungerechtigkeiten dieser Welt. Und sie kann da sehr beharrlich sein. Mister, immer noch am youtuben, findet das 27. Video von „Gangnam style“ und dreht auf volle Pulle. Resigniert kehre ich das Mehl wieder auf. Tisch wischen, mit Mehl bestäuben; Max setzt sich zu mir. Ich bin kaum fertig, da plagt ihn eine Niesattacke. Die Küche verwandelt sich kurzzeitig in eine Winterlandschaft. Mehl ist nun auch da, wo Mehl eigentlich nicht sein sollte.
Mehl wegkehren, Tisch wischen….
Letztendlich sind dann doch eine Reihe hörnchenförmige Kipferl im Ofen. Mister findet ein Video namens „ Gangnamstyle dance tutorial“. Nur weil ich weiß, dass Mister niemals tanzen würde, meine ich so zum Scherz „ wenn du das anguckst, mußt Du aber auch mitmachen“. Ich sprachs und bereute es sofort. Denn alle meine drei Männer hüpfen nun hoppelnderweise durch die Küche.
Mein verzweifeltes „ ich muß die Plätzchen rausholen, macht mal Platz“ wird nur mit einem „ ist gleich fertig“ gekontert.
„Ist gleich fertig“ war zu lang. Anstatt fluffiger, im Munde zerfallender Vanillekipferl habe ich dunkelbraune Laubsägearbeiten erschaffen.
3 Stunden stand ich in der Küche und das einzige Ergebnis sind unförmige, unschöne Bethmännchen. Ich mag kein Marzipan, hatte ich das schon erwähnt?
Es dauert keine 10 Minuten bevor meine Brut galant in die Küche schlendert und verwundert fragt: „ wolltest Du nicht Plätzchen backen?“.

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