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Ja, ja, so kleine Katzen sind niedlich. Echt jetzt. Böse kann man ihnen auch nicht wirklich sein. Aber dass das mit Niedlichkeit übertünchte Raubtiere sind, wissen die wenigsten. In Fell gepackte Unholde.

6.30: als ich nach meinem Wecker taste, bemerke ich, dass er über Nacht anscheinend Haare bekommen hat. Warm, weich und kugelrund fühlt er sich plötzlich an. Die Schlummertaste beißt und klammert sich an meiner noch im Halbschlaf befindlichen Hand fest.

6.30; 2 Sekunden: ein schwarzes Ding hüpft wie Badman kurz vorm Abheben über meine Bettdecke und fängt alles, was sich bewegt, oder, wenn man fest genug zubeißt, sich bald bewegen wird.

6.45: Frühstück. Frühstück! FRÜHSTÜCK!! Sammy, Pieps und Charly sitzen mit hängender Zunge vor dem Fressplatz, während Sophie sich über 4 volle Futternäpfe hermacht. Später werden die Großen noch vereinzelte Krümel auflesen dürfen.

7.00 Ich mache Frühstück für die Kinder und Sophie besteigt den Frauchenberg mit Steigeisen. Auf der Nordseite. Ohne Sauerstoffmaske.  Es ist einfach keine Zeit zu warten, bis ich eine Hose anhabe.

7.20: Die Kinder müssen zur Schule. Natürlich hilft Sophie mit, in dem sie noch schnell Ranzeninhalte inspiziert, den Turnbeutel noch schnell ausräumt und Max in der Kniekehle hängt. Hat man eine Katze im Genick, geht man schneller aus dem Haus.

7.25: ich sitze am Computer und sehe aus dem Augenwinkel, wie Sophie rückwärts laufend, laut vernehmlich knurrend, einen Turnschuh durch den Flur zieht.

Vormittags:  während ich am PC sitze, turnt Sophie vor dem Monitor herum. Wechselweise fängt sie den Mauszeiger auf dem Monitor, die Computermaus, knabbert Kopfhörerkabel an, tunkt ihre Pfote in meinen Kaffee, ( nicht ohne diese anschließend  angeekelt auszuschütteln!) oder hüpft dem friedlich auf seinem Platz auf meinem Schreibtisch schlafendem Sammy ins Genick. Verzweifelt schmeiße ich zusammengerollte Papierknüddelchen um mich, um wenigstens Sekundenweise Arbeiten zu können. Das hilft aber nicht.  Zwischendurch ist Schmusezeit. Das ist aber nicht ein freundliches Köpfchen geben, sondern sie schlägt ihre Krallen in meinen Oberkörper und zieht mich zu ihr herunter. Dann springt sie auf meine Schulter und fängt an, sich dort zu putzen. Mein Ohr gleich mit.

Mittags: Siestazeit. Jede Katze hat bei uns ihren angestammten Lieblingsschlafplatz. Sophie liebt sie alle und vertreibt alle erwachsene Katzen nacheinander aus ihren Kisten um Probe zu schlafen. Während drei Katzen unausgeschlafen motzig in der Gegend rumlaufen, ist Sophie frisch und ausgeruht bereit für neue Abenteuer. Sobald ich denke, dass das kleine Monster schläft und ich die ersten Klappergeräusche auf dem Spinnrad mache, ist sie da. Aus dem Nichts sozusagen hervor materialisiert. Friedlich rollt sie sich auf meinem Schoß zusammen, steckt noch ein bisschen ihre Pfote dem Einzug entgegen, fingert noch ein bisschen am Kammzug herum, um dann endlich einzuschlafen, nicht ohne vorher noch ein bisschen ihren Kopf an meine Hand zu drücken.

Beim Hausaufgaben machen kann Katze doch so toll mithelfen! Radiergummis, Bleistifte, Füller, ja gar ganze Hefte finden auf unerklärliche Weise den Weg unter den Küchentisch.

Der Nachmittag ist der Hausarbeit gewidmet und selbstverständlich weiß Sophie, was von einer Hauskatze erwartet wird: Wäsche abhängen, Gardinen durch dranhängen glätten, Waschmaschinen-Inneninspektionen, Fusselsieb entleeren in der Spülmaschine, Schrankinhalte neu sortieren…. Das Leben ist bunt und es gibt viel zu tun.

Der Paketbote schaut nur geringfügig irritiert, als ich mit Katze auf der Schulter die Tür öffne. Während ich unterschreibe gerät Sophie in sanfte Verzückung und versucht sich auf den Rücken zu schmeißen. Sie verliert dabei das Gleichgewicht, kann sich aber  gerade noch mit einer Kralle an meinem Schulterblatt festhalten. Ich leide an einem starken Katzenbefall. Ich muss mal  bei Gelegenheit zum Arzt.

Sophie ist unauffindbar. Unsere Katzen sind allesamt reine Wohnungskatzen und sollten sich doch irgendwie finden lassen. Während die Familie „ Sophie! Sophie!“ – rufend durch die Wohnung läuft, laufen alle anderen Katzen wohl erzogen zum Sammel- bzw. Fressplatz. Nur Sophie bleibt verschwunden. Schließlich entdecken wir  sie zusammengerollt hinter den Shampooflaschen in der Duschablage.

Den Abend verbringen wir damit, Fellmäuschen zu schmeißen, Papierkügelchen zu schnipsen und Federbüschel zu schwingen um Sophie davon abzuhalten, unsere Füße auf dem Sofa als potentielle Beute zu betrachten. Teilweise klappt das.

Beim Duschen sehe ich hinter der  beschlagenen Glastür eine Bewegung und wische mit der Hand ein kleines Loch in den Dunst. Sophie drückt ihre Nase auf der anderen Seite gegen die Scheibe und starrt mich mit ihren großen, gelben Augen an. Die Pfoten rechts und links neben ihrem Gesicht. Ich fühle mich irgendwie beobachtet.

Beim Zähneputzen kann ich es nicht mehr verhindern, dass Sophie einen Klecks Schaum auf den Rücken abbekommt. Natürlich muss sie JETZT den Waschbeckenüberlauf inspizieren. Wusstet ihr eigentlich, dass, wenn man in den Ablauf reinschnuffelt, es richtig hallt?

Den Spätfilm schaue ich mit Fellkragen und bekomme eine Nackenakkupunktur.. Sophie ist glücklich und schnurrt so laut, dass ich den Fernseher nicht mehr verstehe. Hätte ich Rheuma, wäre ich jetzt auch glücklich. Aus lauter Dankbarkeit darüber, dass ich jetzt endlich stillhalte, bekomme ich eine Innenohrwäsche. Das hält mich dann endgültig vom Fernsehen ab. Ich setze Sophie auf meinen Schoß, wo sie spontan anfängt ihren Schwanz zu fangen. Es ist die Gelegenheit für Sammy, mir zu zeigen, dass er genauso auf meiner Schulter Platz hat. Der Unterschied zwischen  einer handvoll  Kätzchen und einem halben Meter Kater ist auch eher geringfügig. Sammys Schwanz eignet sich viel eher als Beute als der eigene. Es entwickelt sich eine kleine Rangelei zwischen Sammy im Genick und Sophie auf dem Bauch darüber, wer welchen Schwanz überhaupt fangen darf.

Sobald ich dann endlich ins Bett gehe, ist Sophie wach. Fit wie ein Turnschuh.  In der Dunkelheit sehe ich noch einen kleinen vierbeinigen Schatten auf mich zufliegen. Sophie übt noch eine Weile ihren  finalen Todessprung mit mir, bevor auch sie sich einen Schlafplatz sucht. Sie ist halt doch ein kleines Raubtier, auch wenn sie im Augenblick, da ich diese Zeilen schreibe, auf meinem angewinkeltem Unterarm liegt und mir von unten ihre Nase an mein Kinn presst. Ein warmes, schwarzes Hinterbeinchen hängt ganz entspannt runter.

Unbenannt

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