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Wie gerne würde ich anfangen mit „hinter den 7 Bergen bei den 7 Zwergen…“ aber nein, dem ist nicht so. Es passiert hier. Täglich. Im realen Leben. Vielleicht sogar bei euch nebenan.

Es ist Ende Dezember. Der Weihnachtsbaum steht noch traurig in der Ecke. Mister seufzt… „ ach, so’n Steak vom Grill, das wäre jetzt was..“ Ich nicke zustimmend. Da draußen tobt ein Schneesturm, es sind gefühlte minus zwanzig Grad und ohne Mütze, Schal, Handschuhe und dicke Winterjacke geht man nicht mal zum Briefkasten.

Mitte Januar flattern die ersten Gartenkataloge ins Haus. Alles schön grün und bunt, es sieht warm auf den Fotos aus. Ich seufze…“ ach, es wird echt mal wieder Zeit für Sommer. Wir haben schon so lange nicht mehr in kurzen Hosen auf dem Balkon gesessen…“ draußen ist es immer noch eklig kalt und grau. Es dämmert schon, aber Mister blättert immer noch in den Katalogen.

Ende Februar, es ist Fasching. Soeben stehen wir uns im Sturm und bei maximal 2 Grad plus die Beine in den Bauch um uns völlig bekloppte Menschen mit roten Nasen anzugucken. Mister kauft sich eine Bratwurst.

Einen Tag später. Mister konnte es nicht mehr aushalten und hat sich einen Grill gekauft. Einen Gasgrill, denn offenes Feuer ist in der Siedlung verboten. Nach einem kurzen Intermezzo mit einem ( das bitte besonders angewidert lesen) Elektrogrill  musste was „Vernünftiges“ ins Haus. Mister buddelt selbstvergessen in unserer Tiefkühltruhe herum (manchmal denke ich, da ist ein Fernseher eingebaut, den nur ich nicht sehen kann. Alle meine Männer lieben es, bei geöffneter Tür im Kühlschrank rumzuschnüffeln) . Irgendwo müssen wir doch noch was zum Grillen haben? Gehst du morgen einkaufen, Schatz?

Der Montag darauf, es ist der 1. März, fährt Mister einkaufen ( das kann man unmöglich mir überlassen! Grillfleisch ist nahezu lebenswichtig!)  und kommt völlig wutentbrannt zurück. Nirgends gibt es Fleisch zu kaufen! So eine Schande! Er bringt ein paar abgepackte Würstchen mit, denn das ist besser als nichts. Auch wenn es geradezu eine Schande ist, dass man die Grillsaison mit Würstchen startet.

Später baut Mister feierlich den Grill auf. Wir alle müssen ihn bewundern ob seinem geradezu windschnittigen Gaskartuschenanschluß. Perfektion im Detail, sozusagen. Ich bin begeistert und mache die Balkontür zu, denn es fängt gerade wieder an zu schneien.

Die Kinder ziehen ihren Skianzug an und stellen sich neben Papa, denn Papa ist der Held und steht am Grill. Lecker! Würstchen! Im Winter! Morgen gehen wir Schlittenfahren!

Es macht kurz „pöff“ und eines der Würstchen platzt. Nicht weiter schlimm, denn das „bringt ja Geschmack“. Es bringt aber auch eine Fettfontäne an das Wohnzimmerfenster. Das ist so eine riesige Glasfläche, um deren Reinigung ich mich gerne mal drücke. Ich hatte sie am Tag zuvor geputzt.

Mister bemerkt nichts. Da es bereits dunkel ist, sehe ich auch nichts. Am Tag später zwinge ich Mister dazu, das wieder zu putzen. Er wischt mit einem alten Lappen ( mit dem er zuvor den Grill saubergemacht hatte) kurz mittig über den Fettfleck. Sauber, oder?

Ich bestehe darauf, den Grill an einem anderen Platz zu deponieren. Es gibt Würstchen vom Grill an diesem Abend.

Wie auch an den folgenden drei Wochen.

Der erste April, die Grillsaison startet endlich offiziell. Da heute der erste Tag mit Sonnenschein ist, muss natürlich der Grill angeschmissen werden. Es sind zwar nur 5 Grad plus und es stürmt, aber am Herd stehen ist was für Weicheier oder Hausfrauen. Echte Männer grillen. Meine Kinder fangen an zu mosern. Würstchen? Schon wieder?

Aber Mister sagt „nein“ und der Rest der Familie seufzt erleichtert auf. „Ich mache heute Burger!“ Er ist enttäuscht dass keine Begeisterungsstürme aufkommen, steht aber beleidigt trotzdem am Grill.

Da bei Burgern das Fett mal in die Flamme tropfen kann, gibt es eine kurze Stichflamme und wir haben an der nahezu neu sanierten Balkonwand einen Rußfleck. Ich hebe nur die Augenbraue. Kann nicht sein, oder? Der Grill ist sowieso seit mindestens zwei Wochen ein Dorn in meinem Auge. Mister rubbelt ein wenig an der Wand rum, aber es passiert nichts. Er murmelt leise Ausflüche wie „ Die Sonne bleicht das weg“ und später „ da stellen wir eine Pflanze vor“.

Mitte April. Die Klassenlehrerin ruft mich an, dass meine Kinder verdächtig nach Rauch riechen würden. So „angekokelt“ irgendwie und ich solle etwas unternehmen. Gestern durften sie- unter Papas strenger Aufsicht- das erste mal selbst am Grill stehen. Mister steht neben mir, ein Steakbrötchen  in der Hand.

Anfang Mai. Endlich wird es warm! Jetzt wird der Balkon auf Sommer getrimmt, die Pflanzen kommen raus, es grünt und duftet wunderbar. Ich frage Mister noch: na, soll ich einen Salat zum Steak machen? Aber Mister schüttelt nur den Kopf. Heute hätte er ausnahmsweise mal keine Lust darauf zu Grillen. Vielleicht morgen.

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