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Seit unserem Einzug in diese Wohnung vor 5 oder 6 Jahren hat es mich geärgert: Der Geschirrschrank geht nach rechts auf, und rechts von diesem Schrank ist die Spülmaschine. Es ist also so, dass die offene Tür zwischen sauberem Tellern und deren Aufbewahrungsort hängt. Das ist eigentlich kein großes Ding, aber es hat mich genervt. Teller über die Tür heben, dann bücken und die Teller einsortieren. Könnte man nicht einfach hocken bleiben?
Mister sagt, man könne die Tür nicht andersherum festschrauben. Dann hätte man ja den Griff unten.
Zwischen Mister und mir ist das so ein Todschlagargument. Mister sagt : „das geht nicht“ und meint damit: „nerv mich nicht“. Wer mich kennt weiß, dass ich über ein „geht nicht“ trotzdem lange grübeln kann :-). Wer weiß das schon so genau. Es blieb also lange dabei, jeden Tag die Teller über die Tür heben zu müssen.

Jetzt sind wir aber grade dabei, die Wohnung umzubauen und ich hatte den Akkuschrauber in der Hand…. lange Rede, kurzer Sinn: mich hat es gepackt und ich habe die Tür andersherum festgeschraubt. Und ein kleines, neues Löchlein gebohrt für den Griff oben. Das untere, alte Loch sieht eh kein Mensch  und wird bei Bedarf mal mit Holzspachtelmasse geflickt. Es ist nicht so, als wäre unsere Kücheneinrichtung Designerware oder so. Sie ist uralt und stammt immer noch aus zwei zusammengeschusterten Junggesellenhaushalten. Ein Loch mehr oder weniger stört da das Gesamterscheinungsbild auch nicht mehr. Aber die Tür geht jetzt in die andere Richtung auf! Mit Griff oben! Das ist SO praktisch! Hach, ich bin stolz auf mich, mein Problem endlich gelöst zu haben.
Wer auch mit Männern zusammenlebt so wie ich, weiß, dass sie Gewohnheitstiere sind. Liegt etwas nicht da, wo es immer liegt ( das hat nichts, aber auch gar nichts mit „aufgeräumt“ zu tun! Ein typisches Beispiel wäre „ Schatz, wo ist XY? Ich hab das vor ein paar Tagen auf den Küchentisch gelegt!“ ), finden sie sich nicht mehr zurecht. Das Weltbild ist sozusagen erschüttert, wenn plötzlich etwas anders ist als vorher.
Das fiese an der ganzen Sache: ich habe meinen Männern nichts gesagt. Und so stand in den letzten Tagen immer wieder mal ein großer oder auch kleinerer Mann verzweifelt vor dem Schrank und verhungerte, weil er an die Teller nicht rankam. Ein Ding der Unmöglichkeit: da wo immer der Griff war, greift man plötzlich ins Leere. Nix! Da ist einfach nichts mehr, an dem man den Schrank öffnen könnte. Der Schrank ist zu.  Für immer.  Mama, warum hast du den Schrank zugeschraubt.
Es hat so einen Spaß gemacht, meine verzweifelte Familie zu beobachten….

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