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Ich hätte ja nicht gedacht, dass sich die Meinungen so sehr voneinander unterscheiden würden. Das reicht ja von „ ich brauch nur den Schnitt“ bis zu „kann gar nicht ausführlich genug sein“. Natürlich war meine Frage von Samstag auch darauf bezogen, wie ich meine Anleitungen vielleicht besser auf euch zurechtschreiben könnte. Stellen wir das, was wir seit Jahrzehnten in Büchern zu lesen bekommen, doch einfach mal in Frage. Nur, weil etwas „schon immer so gemacht wurde“ heißt das ja lange noch nicht, dass es das Maß aller Dinge sein muss.

So wie ich das sehe, gibt es wohl im Großen und Ganzen verschiedene „Typen“, von denen es natürlich auch Mischformen gibt.

Es gibt die, die gerne was lernen möchten, weil sie vielleicht in keine Konfektionsgröße reinpassen und gerne verstehen würden, was passiert wenn man irgendwo was ändert. Viele enthusiastische Neustrickerinnen würde ich hier einsortieren. Nennen wir diese Gruppe mal die „Forscher“. Diese Forscher hätten gerne zusätzliche Kommentare, Hinweise, wo man etwas ändern könnte, vielleicht auch Tipps zur Umrechnung in andere Garne und ähnliches. Ausführliche Anleitungen sind nett, aber es sollte bitte zum Kontext passen.

Und dann gibt es diejenigen, die mit einem Blick aufs Modell und ein paar Maßen zufrieden sind, weil sie schon Jahrzehnte stricken. Ich nenn’ sie mal die Fotostrickerinnen ( Hallo, Tichiro! 🙂 ). Die Fotostrickerinnen brauchen ein Garn, eine Maschenprobe und einen Schnitt mit Bemaßung und sind damit völlig zufrieden. Alle anderen Angaben stören nur. Es sind die Puristen unter den Anleitungslesern und die fortgeschrittene Form der Forscherinnen.

Dann die, die möglichst mindless stur nach Maß, Maschenprobe und Garnangaben machen was da steht. Möglichst noch in der selben Farbe wie das Original, denn sie wollen genau das haben, was auf dem Foto zu sehen ist ( ich sag da „Heftchenstrickerinnen“, aber das ist nicht abwertend gemeint). Die Heftchenstrickerinnen brauchen alles, was an technischen Daten zur Verfügung steht. Würde da nicht stehen „Fäden vernähen“ würden sie es nicht tun und beleidigt sein, weil da vom fertigen Teil eben Fäden runterbaumeln, die auf dem Foto des Modells nicht zu sehen sind. Es wird gemacht was da steht. Punkt.

Natürlich gibt es dann noch die Gruppe zu der ich mich zähle, die überhaupt nicht nach Anleitung stricken weil nachgucken, nachlesen und/oder rechnen lästig ist. Ich sag allgemein mal „freie Strickerinnen“ dazu, auch wenn natürlich welche dabei sind, die die Xte Variation einer vorhandenen Strickanleitung einfach auf die persönlichen Bedürfnisse abwandeln. ( Ihr habt den 67.Baktus in der Schublade? Herzlich Willkommen!)

Die brauchen keine Garne und Maschenprobenangaben. Die brauchen einen Bauplan. Sie laden sich Anleitungen nur dann runter, wenn sie ein Prinzip verstehen möchten oder ein bestimmtes Maschenbild erzielen wollen. Technische Daten sind da nur störend. Allerdings zählt eine Anleitung bei ihnen auch zur Unterhaltung und darf deshalb gerne eine persönliche Anekdote zur Entstehungsgeschichte enthalten.

Eine Anleitung zu schreiben, die allen Typen Spaß macht, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Soviel steht fest.

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