Hach, was sind wir alle immer am Jammern. Socken in Größe 47! Welch Zumutung!

Da haben wir uns alle jahrelang einen Wolf geredet, um den Ehemann zu selbstgestrickten Socken zu überreden. Schließlich soll er ja unseren Stash akzeptieren, nicht? Unterbewusst müssen wir für ihn stricken, damit er die Nützlichkeit unseres Wollvorrates erkennen kann. Denn: sollte er sich neue Socken wünschen, könnten wir mit einem „Tada!“ das richtige Knäuel aus der Kiste ziehen.  Gleichzeitig sind wir jedoch am meckern, dass der geliebte Mann so große Füße hat. Der Göttergatte sitzt meist daneben und bekommt ein schlechtes Gewissen, dass er sich neue Socken gewünscht hat. Schließlich weiß er uns gut beschäftigt und friedlich solange wir was auf den Nadeln haben.

Und ein gut erzogener Ehemann weiß auch: wenn wir Wolle kaufen dürfen, sind wir glücklich. Also wünscht er sich welche und bereut es sobald wir sie angeschlagen haben. Da sitzen wir da und zählen vorwurfsvoll jede einzelne Masche, die wir für seine Riesenlatschen extra anschlagen müssen. Vielleicht kommt von uns auch noch ein Seitenhieb, dass wir- wenn wir Socken für uns gestrickt hätten-  ja schon seit 3cm fertig gewesen wären. Außerdem hätten wir ja auch die neue, tolle, handgefärbte, bunte Wolle nehmen dürfen und müssen uns stattdessen jetzt mit dieser farblosen, dunkelgrau/oliv/schwarzen Wolle rumärgern. Glatt rechts ist ja so öde!  Ja, eine Zumutung. Für uns genauso wie für ihn. Er wollte uns doch nur einen Gefallen tun. Er wird so schnell keine neuen Socken brauchen, damit wir unsere Superwolle in unserer Größe stricken können.

Und dann? Dann kommt zielsicher ein „ ich weiß nicht was ich anschlagen soll“ – Gemosere von uns. Für Frauensocken ist die Auswahl so unendlich groß, dass die Entscheidung schwer fällt.

Dass das nicht nur mir, sondern ganz, ganz vielen Frauen auf der Welt so geht, beweisen die angelegten Pattern auf Ravelry. Denn von 131.54 Socken sind gerade mal 855 für Männer entworfen. Rund 6,5% sind das. Man könnte jetzt natürlich anmerken, dass nicht jede Strickerin einen zu bestrickenden Mann an ihrer Seite hat. Dafür gibt es aber diejenigen, die gleich mehrere Großfußexemplare zu versorgen haben, genauso wie die strickenden Männer.

Nun frage ich mich: fehlt es den Männern an Mut, mehr am Fuß zu haben als schwarze Stinos oder fehlt uns der Mut, etwas anderes anzustricken? Sollten wir nicht eigentlich um jede zusätzliche Masche dankbar sein, verhilft sie uns doch zu noch längerem Strickspaß?

Ich denke, ich werde jetzt mal Mister anrufen und ihm dafür danken, dass er so große Füße hat. Dann werde ich auflegen und mir sein verblüfftes Gesicht vorstellen. Heute Abend werde ich Socken in Größe 47 anschlagen, in orange und rot und froschgrün, mit Zöpfen darauf. Schließlich sagt er doch immer: “ ist doch egal, sieht ja eh niemand“.

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