Im Herstellungsprozess eines Buches gibt es ja so viele Dinge, über die man irgendwie so gar nichts weiß. Beim Frechverlag so üblich, „unterschreibt“ der Autor das Vorwort. Das Vorwort hatte ich schon vor Wochen gemailt und hatte gedacht, damit hat es sich dann. Dann, kurze eMail zurück, ob ich bitte eine Signatur von mir einscannen könnte? Am besten mit Füller?
Nun ist es so, dass man meine echte Unterschrift einfach nicht lesen kann. Und das sollte man doch wohl können in diesem Fall. Auch ist meine Handschrift mal so- mal so. Wenn ich z.B. meinem Mister einen Einkaufszettel zwischen Tür und Angel schreibe, dann bringt er unter Garantie nicht das mit, was ich notiert hatte. Gebe ich mir Mühe, ordentlich und leserlich zu schreiben, dann wird es völlig unregelmäßig. Eigentlich schreibe ich gerne Briefe mit der Hand, aber das ist einer der Gründe, warum ich das aufgegeben habe. Kalligraphie: 6, setzen.
Aber ich werde ja wohl noch meinen eigenen Namen schreiben können? Das sollte ja wohl nicht zu schwer werden. Naiv bin ich, völlig naiv.
Also habe ich mir vom Sohnemann eine Füller geliehen und mal unterschrieben. Äch… beim Aufschwung vom „A“ ist nicht genug Tinte geflossen, also noch mal. Und nochmal und nochmal, weil immer irgendwas war, was mich gestört hat. Mal schrieb ich verschnörkelt, mal mit übertriebenem Auf-und Abschwung, mal rund, mal breit, mal links-und mal rechtsgeneigt.
In meinem Hinterkopf manifestierte sich der Gedanke an Hände reibende Schriftanalysten, die sicher anhand meiner Schriftproben mir jeden nur gewünschten Charakterzug anhängen würden. Mittlerweile hatte ich 4 DIN A4-Seiten vollgekritzelt und mir standen die Schweißperlen auf der Stirn. Man sollte mir schließlich anhand meiner Signatur eine weiße Weste bescheinigen können und mich nicht als Schwerverbrecherin enttarnen, oder?
Ich kam mir so doof vor! Mein eigener Name! Ich konnte meinen Namen nicht mehr schreiben! Schließlich machte ich ständig beim „Anja“ aus dem „j“ ein „i“. Manno, ich habe über 30 Jahre Training, und dann weiß ich nicht mehr wie ich heiße. Beschämend ist das.
Seite um Seite füllte ich mit meinem Namen. Ein ums andere Blatt flog zerknüllt in die Ecke. Meine Kinder attestierten mir gesteigerten Wahnsinn und boten mir an, mir zu helfen und fingen ihrerseits an, meinen Namen aufzuschreiben. Ich konnte es nicht mehr und vertagte das Problem. Man sollte es nicht glauben, mein Problem bestand darin, meinen eigenen Namen zu schreiben. Und ich bin kein Analphabet.
Der Satz “ Können Sie uns bitte eine Signatur von Ihnen einscannen“ verfolgte mich im Traum. Ich träumte von Profilern von CSI, die meine zerknüllten Zettel fänden und mir gemeingefährliche Züge attestierten. So, wie meine Unterschrift aussah, mußt ich doch jemanden umgebracht haben, oder? Bei dem „B“ kann man nur Mörder sein, nicht?
Ich könnte zwar anführen, dass ich so gut wie nie mit dem Vornamen unterschreibe, und auch nicht mit „Belle“ auf die Welt gekommen bin. Aber 10 Jahre Steuererklärungen ausfüllen sollten doch zu einer gewissen Übung führen, oder?
Also nur Nachname. So, wie ich immer unterschreibe. Breit, hochgezogen, quergezogen, mit Schnörkel und auch ohne… naja. Aber ohne Vornamen könnte ich ja so viele „Belle“ schreiben wie ich will.
Schließlich, nach langem überlegen, scannte ich die allererste Signatur ein, entfernte mit Photoshop die Knitter aus dem Papier und schickte es weg.
Ich hoffe sehr dass ihr, wenn ihr mein Buch in den Händen haltet, wißt, wie sehr diese Signatur „meine“ ist.

Und jetzt stellt euch bitte blutunterlaufende Augen, zittrige Hände, verwurschtelte Haare und ein gewisses Maß an Wahnsinn in meinem Gesicht vor: In!! jeder!! Zeile!! Steckt!! mein!! Herzblut!! In!! Jeder!! Zeile!!

*gruftige Stimme*: „…und ich werde euch in euren Träumen verfolgen, wenn ihr denkt, dass ich das nicht unterschrieben habe!!….. uuhuuuuuuhhhhhhuuuuuuuu!!“

 

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