Im Sommer 2009 habe ich schon mal darüber berichtet wie es ist, mit einer Familie zusammen ein Zelt zu kaufen. Es gibt eine mir bisher unbekannte Steigerung: im Januar einen Schlitten besorgen.

Es ist nicht so, als hätten wir bisher keinen besessen. Es ist vielmehr so, dass meine Brut auf ihren Besitz nicht aufpasst.

Naja, jedenfalls besteht bei uns der dringende Bedarf nach einem Schlitten. Bestenfalls zwei, das wäre toll.

28.12.2010: Sohn 2.0 kommt weinend nach Hause: sein Schlitten ist über einen Stein gehüpft. Jetzt ist da ein Riß drin. Ich sage: wir stellen den Schlitten zum Sperrmüll. Bis wir einen neuen Schlitten kaufen, kann Sohn 2.0 mit bei Sohn 1.0 mitfahren. Sohn 1.0 besitzt einen großen Holzschlitten für zwei erwachsene Personen.

30.12.2010: beim Streit darüber, wer denn jetzt nun den Schlitten den Berg hochziehen soll, bleibt der Schlitten wo er ist. Leider nicht lange. Eine 2-stündige Suche aller 4 Familienmitglieder bei gefühlten -10grad celsius zeigt auf: der Schlitten ist weg. Wegen Feiertag und Wochenende wird das Schlittenproblem auf Montag, den 3.1. 2011 verschoben. Schlitten von Sohn 2.0 bleibt verschollen. Warum, wird sich später zeigen.

3.1.2011, Vormittag.: Wir besuchen den örtlichen kleinen, teuren Baumarkt und fragen nach einem Schlitten. Der Verkäufer gluckst, grinst und meint: nächste Woche wieder. Jetzt nicht.

Für nächste Woche ist Tauwetter angesagt.

Ich bin der Meinung, dass dieser spezielle Baumarkt sowieso nie das hat, was man braucht, der Laden im Allgemeinen sowieso doof ist und dass wir im nächsten Geschäft hunderte, tolle, neue Schlitten finden werden.

Ein Besuch im 5km entfernten Laden-der-alles-anbietet: „Schlitten? Hamwer net. Kommt auch net mehr.“. Hallo? Es ist Anfang Januar. Wann bitte soll man denn Schlitten fahren? Im Oktober, als es Schlitten zu kaufen gab?

3.1.2011, Nachmittag: zwischen Mittagessen, Kieferothopäde und  Lebensmittelladen fahren wir zum 20km entfernten Spielzeuggeschäft. Eine freundliche Verkäuferin, die wir nach tatsächlich 20 Minuten fanden, meint nur lapidar: „ den hättense im Dezember hamm könn.“ ( für nicht schnodderschnäuzig redende Menschen die Übersetzung: „Den hätten Sie im Dezember käuflich erwerben können“). Im Dezember waren wir noch stolze Besitzer zweier Schlitten.

Auf dem Parkplatz treffen wir zwei Kinder, einen Schlitten hinterherziehend. Ich rufe noch „Halt! Stehenbleiben!“. Die Kinder sagen, sie hätten ihren im Baumarkt gekauft.

3.1.2011, ein paar Stunden später. Ankunft im Baumarkt. Regal voller Bretter und Badewannen scheinen uns zu erschlagen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Eine Frage an der Info lässt die Augen meiner Kinder aufleuchten: „ ja, wenn wir welche haben, dann in der Gartenabteilung“. Ja, Wenn. Wenn. Wenn. Bitte,Bitte! Ich möchte einen Schlitten. Ist doch egal, wie der aussieht!  Seht ihr nicht meinen verzweifelten Gesichtsausdruck?? Wir tigern in die Gartenabteilung, in der offensichtlich schon seit Wochen Frühling ausgebrochen ist.

„Schlitten? Nö. Wir hätten soo ( große Handbewegung in beide Richtungen) viele noch verkaufen können, aber die sind schon seit Wochen aus.“.

Aha. Und warum hat der *+#’#§$“%/)- Geschäftsführer keine nachbestellt, wenn Sie doch soooo viele hätten verkaufen können???  Hilfloses Schulterzucken von unschuldigen Personal. Ich lasse mir den Geschäftsführer kommen, aber der sagt nur, dass man wegen einer Nachfrage unmöglich eine ganze Palette Schlitten bestellen würde. Glaubt mir, ich würde.

Nach 6 Stunden Autofahrt mit zwei um sich schlagenden, quengelnden und nervenden Kindern kommen wir Zuhause an. Und fragen Amazon, wahlweise eBay. Amazon bietet für 120euronen einen 60cm Holzschlitten an. Super. 240 Euros für zwei Kinder. Kurzer Gedanke an nachträgliche Abtreibungen aber verworfen.

EBay muß man eigentlich gar nicht erst fragen, es sei denn, man möchte einen Poporutscher ( die Dinger, die gerade mal so groß sind wie ein Kinderarsch). Die Googlesuche bietet durchaus Schlitten an: für 350euros kann man locker einen Schlitten kaufen oder 3 Wochen warten, bis bezahlbare Modelle wieder lieferbar sind. Ich möchte keinen, den man in die Vitrine stellt, ich möchte einen gebrauchsfähigen, guten, schnellen Schlitten. Den man MIT Schnee, DRAUSSEN mit KINDERN benutzen kann. Es ist egal wie er aussieht. JETZT liegt Schnee.

In der örtlichen WKW-Gruppe hinterlassen wir noch eine Kleinanzeige, dass wir einen Schlitten vermissen. Finderlohn.

Wenn ich dieses *$%&(&$§““$%!!!! Erwische!! Unschuldigen Kindern den Schlitten unterm Hintern wegklauen!! Das schreibe ich natürlich nicht dazu. Die Kinder liegen quer im Wohnzimmer rum und quengeln: „ ach, wenn wir jetzt nur einen Schlitten hätten, dann könnten wir ja rausgehen…“ Meine Nerven liegen am Boden. Mir brennt der Papierkram, der meine Arbeit so mit sich bringt unter den Nägeln. Nachtschicht ist angesagt.

Sohn 2.0 möchte Morgen nach Gelnhausen gefahren werden. In die Zentrale des örtlichen Wochenblättchens. Ob man vielleicht eine Zeitungsanzeige aufgeben könnte? Schlitten vermisst.

Ich bin kurz davor, seinem Wunsch nachzugeben.

-to be continued- schließlich haben wir immer noch keinen Schlitten.

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